Lightpainting ist eine tolle Möglichkeit, mit einer Kamera und etwas Licht kreative Bilder entstehen zu lassen. Dabei lassen sich mit einer langen Belichtungszeit leuchtende Linien und Formen direkt in der Aufnahme erzeugen.
Für dieses Bild habe ich einen Lensball als Motiv verwendet und ihn mit Lichtspuren umgeben. In diesem Tutorial zeige ich dir, wie ich den Aufbau gemacht habe, welche Kameraeinstellungen ich verwendet habe und worauf du beim Lightpainting achten solltest, damit die Lichtspuren gezielt dort entstehen, wo du sie haben möchtest.
Aufbau
Für das Bild habe ich den Lensball auf einem kleinen Ständer platziert und eine Lichterkette als Lichtquelle verwendet. Wichtig war dabei, dass der Lensball möglichst ruhig steht und die Lichterkette so positioniert ist, dass sie sich während der langen Belichtungszeit gezielt um das Motiv bewegen lässt.
Als Untergrund habe ich einen Spiegel verwendet. Dadurch entstehen zusätzlich Reflexionen des Lensballs und der Lichtspuren, die das Bild noch interessanter machen.

Die Kamera stand fest auf dem Stativ und war auf den Lensball ausgerichtet. Die Lichterkette lag zunächst hinter bzw. um das Motiv und wurde später für die eigentliche Aufnahme in die Hand genommen.
Was du für das Foto brauchst
- Kamera
- Stativ
- Lensball oder ein anderes Motiv
- Tipp: du brauchst für einen Lensball nicht zwingend einen Ständer. Du kannst das Wegrollen auch anders verhindern, z.B. mit etwas Knete.
- Lichterkette oder eine andere Lichtquelle
- Dunkler bzw. möglichst ruhiger Hintergrund
- eine spiegelnde Fläche, wenn du die Reflexion mit aufnehmen möchtest
Am Ende des Artikels findest du die entsprechenden Links.
Kameraeinstellungen
Für meine Aufnahme habe ich folgende Einstellungen verwendet:
- Brennweite 50 mm
- Blende f/8
- Verschlusszeit 4 Sekunden
- ISO 100
Diese Einstellungen habe ich als Ausgangspunkt verwendet. Je nach Stärke der Lichterkette, Abstand zum Motiv und gewünschter Helligkeit können die Werte natürlich angepasst werden.
Wichtig: Messung im dunklen Raum
Wenn der Raum für die Aufnahme weitgehend dunkel ist, kann die normale Mehrfeldmessung etwas irreführend sein. Ich würde deshalb Spotmessung oder Selektivmessung empfehlen, wenn du die Belichtung anhand des Motivs bzw. des relevanten Bereichs bestimmen möchtest.
Bei einer Aufnahme im manuellen Modus dient die Belichtungsmessung allerdings hauptsächlich als Orientierung. Sobald du deine Werte eingestellt hast, bleibt die Kamera bei diesen Einstellungen – unabhängig davon, wie dunkel der Raum während der eigentlichen Aufnahme ist.
Vor dem Auslösen fokussieren
Ein weiterer wichtiger Punkt: Den Fokus solltest du setzen, bevor der Raum komplett abgedunkelt wird.
Wenn du den Lensball bei normaler Beleuchtung scharfgestellt hast, kannst du anschließend auf manuellen Fokus (MF) wechseln. So versucht die Kamera nicht während der Aufnahme, im Dunkeln einen Fokuspunkt zu finden.
Ausführung
Da du während der Aufnahme die Lichterkette in der Hand hältst und sie langsam um das Motiv bewegst, kannst du natürlich nicht gleichzeitig bequem an der Kamera auslösen. Dafür eignet sich ein Fernauslöser oder ein Selbstauslöser. Du kannst in der Kamera den Selbstauslöser zum Beispiel auf 5 Sekunden stellen. Dann hast du genug Zeit dich zu positionieren.

Während der Aufnahme stehst du selbstverständlich im Dunkeln. Sobald du dich also positioniert hast, pendelst du die Lichterkette in langsamen Kreisen um das Motiv herum. Versuche deine Bewegungen so gleichmäßig wie möglich zu halten. So entstehen ruhige und gleichmäßige Lichtspuren, während schnellere oder ruckartige Bewegungen für unruhigere Linien sorgen.

Ein paar Tipps für dein Lightpainting
Bei Lightpainting lohnt es sich, ein wenig zu experimentieren. Schon kleine Veränderungen bei der Bewegung der Lichterkette können das Ergebnis deutlich verändern.
Achte darauf, die Lichterkette möglichst gleichmäßig zu bewegen und während der Aufnahme nicht plötzlich die Richtung oder Geschwindigkeit zu verändern. Je nachdem, wie weit du dich vom Motiv entfernst und wie groß deine Bewegungen sind, entstehen unterschiedliche Lichtspuren.
Auch die Belichtungszeit kannst du anpassen. Bei einer längeren Belichtung hast du mehr Zeit für die Bewegung der Lichterkette und kannst entsprechend längere Lichtspuren erzeugen. Ist das Bild zu hell, kannst du die Belichtungszeit verkürzen. Ist es zu dunkel, kannst du die Belichtungszeit verlängern oder – falls nötig – ISO erhöhen. Bedenke aber, dass bei höherem ISO-Wert Bildrauschen auftreten kann. Deshalb würde ich, wenn möglich, zunächst nur Verschlusszeit und Blende anpassen und ISO möglichst niedrig halten.
Am besten machst du einfach mehrere Versuche. Gerade beim Lightpainting gehört ein bisschen Experimentieren dazu – und oft entsteht dabei ein Ergebnis, mit dem man vorher gar nicht gerechnet hat.
Fazit
Ich mag an dieser Technik besonders, dass man mit einem relativ einfachen Aufbau sehr kreative Bilder erzeugen kann. Mit einer Kamera, einem Stativ, einem Lensball und einer kleinen Lichterkette lässt sich bereits einiges ausprobieren.
Wenn du selbst Lightpainting ausprobieren möchtest, musst du also nicht unbedingt kompliziertes Equipment haben. Viel wichtiger sind eine ruhige Kamera, eine dunkle Umgebung und ein bisschen Geduld beim Experimentieren.
Übrigens: du brauchst nicht unbedingt einen Lensball. Du kannst auch ohne Hauptmotiv sehr schöne Bildergebnisse erzielen.
Jetzt bist du dran: Welche Lichtspuren würdet du ausprobieren?
Verwendete Ausrüstung
- Kamera: Canon EOS R50
- Objektiv: Canon RF 50 mm 1.8
- Stativ
- Lichterkette
- Lensball
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