Wunderkerzen sind nicht nur ein Motiv für Silvester. Ihre Funken lassen sich mit ganz unterschiedlichen Gegenständen kombinieren: mit Schachfiguren, einem Glas vor einer Lichterkette oder einer Glühbirne, die dadurch scheinbar aufleuchtet.
Für diese drei Fotoideen habe ich meine Canon EOS R50 verwendet. Alle Aufnahmen entstanden mit einem Stativ in einer dunklen Umgebung. Trotzdem unterscheiden sich die Bilder deutlich: Beim Schachbrett steht die Bewegung der Wunderkerze im Mittelpunkt, beim Glas das Zusammenspiel von Funken und Bokeh und bei der Glühbirne die Lichtwirkung mit Spiegelung.
Hier zeige ich dir, wie meine Bilder entstanden sind und welche Einstellungen ich dafür verwendet habe.
Meine Kameraeinstellungen im Überblick
| Motiv | Objektiv | Brennweite | Blende | Verschlusszeit | ISO |
|---|---|---|---|---|---|
| Schachfiguren mit Lichtspur | Canon RF-S 55–210 mm | 110 mm | f/16 | 2 Sekunden | 100 |
| Wunderkerzen im Sektglas | Canon RF 50 mm | 50 mm | f/3,5 | 1/10 Sekunde | 100 |
| Glühbirne mit Funken und Spiegelung | Canon RF 50 mm | 50 mm | f/11 | 2 Sekunden | 100 |
Diese Werte beschreiben meine Aufnahmen. Sie sind keine festen Vorgaben: Die Helligkeit der Wunderkerzen, ihre Bewegung, die Abstände und das vorhandene Licht beeinflussen das Ergebnis.
Vor dem Fotografieren: Hitze und Funken berücksichtigen
Wunderkerzen erzeugen heiße Funken und bleiben nach dem Abbrennen heiß. Beachte deshalb die Herstellerangaben, insbesondere zur erlaubten Verwendung und zu den erforderlichen Abständen. Halte brennbare Materialien fern und verwende einen geeigneten, nicht brennbaren Untergrund.
Die folgenden Aufbauten beschreiben meine entstandenen Fotos. Gewöhnliche Trinkgläser, eine Glasscheibe und Klebeband sind nicht automatisch für die Hitze einer Wunderkerze geeignet. Besonders das Sektglas mit Flüssigkeit und die Befestigung mit Tesafilm würde ich deshalb nicht als unveränderte Nachbauempfehlung verstehen. Ein für das Foto verwendetes Getränk darf anschließend nicht getrunken werden.
1. Wunderkerze zwischen zwei Schachfiguren fotografieren

Eine dunkle und eine helle Schachfigur stehen sich gegenüber. Dazwischen zieht sich eine helle Lichtspur durch das Bild, während die Funken in viele Richtungen fliegen. Für mich wirkt die Szene wie ein kleines Duell auf dem Schachbrett.
So entstand die Lichtspur
Für diese Aufnahme habe ich das Canon RF-S 55–210 mm bei 110 mm verwendet. Die Kamera stand auf einem Stativ und war auf die beiden Figuren ausgerichtet.
Die Wunderkerze wurde von oben gehalten und bereits vor Beginn der Belichtung zwischen den Figuren positioniert. Während der Aufnahme wurde sie seitlich durch diesen Bereich bewegt. So entstand neben den einzelnen Funkenspuren auch die helle Verbindung zwischen den Figuren.
Der Verlauf dieser Linie hängt von der Bewegung während der Aufnahme ab. Eine andere Handbewegung führt deshalb zu einem anderen Ergebnis, selbst wenn die Kameraeinstellungen gleich bleiben.
Meine Einstellungen
- Brennweite: 110 mm
- Blende: f/16
- Verschlusszeit: 2 Sekunden
- ISO: 100
Bei dieser Aufnahme ging es mir darum, die Bewegung über einen längeren Moment sichtbar zu machen. Die zwei Sekunden geben den Funken und der geführten Wunderkerze Zeit, ihre Spuren im Bild zu hinterlassen.
Die relativ weit geschlossene Blende begrenzt dabei die Lichtmenge. Trotzdem ist die bewegte Wunderkerze stellenweise sehr hell. Gerade diese hellen Bereiche würde ich bei weiteren Versuchen kontrollieren: Eine kürzere Belichtungszeit zeichnet einen kürzeren Abschnitt der Bewegung auf. Wie hell die Lichtspur erscheint, hängt zusätzlich von Blende, ISO und Bewegungsgeschwindigkeit ab.
Die Bewegung vorher üben
Eine Trockenübung mit einer unangezündeten Wunderkerze hilft dabei, die Bewegung und das Timing abzustimmen. Die Wunderkerze sollte bereits an der gewünschten Startposition sein, wenn die Belichtung beginnt. Führe sie während der Aufnahme zwischen den Figuren entlang und ziehe sie erst nach dem Ende der Belichtung wieder nach oben aus dem Bild.
Wenn du die brennende Wunderkerze während der Belichtung von oben hineinführst oder nach oben herausziehst, zeichnet die Kamera auch diesen Weg als Lichtspur auf. Statt nur der Verbindung zwischen den Figuren entsteht dann eine zusätzliche Linie nach oben.
Bearbeitung in Lightroom
In Lightroom habe ich im Farbmischer den Farbton für Orange ein gutes Stück nach links verschoben. Dadurch bekamen die orangefarbenen Bereiche eine rötlichere Wirkung.
Diese Farbanpassung gehört zum fertigen Bildlook. Die Lichtspur und die Funken selbst entstanden bereits während der Aufnahme.
2. Wunderkerzen mit einem Sektglas und Bokeh kombinieren

Bei diesem Motiv wollte ich die Funken mit einem warmen, festlichen Hintergrund verbinden. Im Vordergrund steht das Glas, dahinter werden die Lichter einer Lichterkette zu weichen Lichtkreisen.
Mein Aufbau
Für das Foto standen die Wunderkerzen im Sektglas. Im Hintergrund hing eine Lichterkette. Fotografiert habe ich mit dem Canon RF 50 mm, wieder vom Stativ aus.
Der Hintergrund hat hier eine andere Aufgabe als beim Schachbild: Er soll nicht möglichst dunkel verschwinden, sondern die Aufnahme mit Lichtpunkten ergänzen. Die Funken bilden die feinen, hellen Linien im Vordergrund. Die unscharfe Lichterkette sorgt dahinter für größere, weichere Formen.
Die Aufstellung im Trinkglas beschreibt meinen damaligen Versuch. Für eine Wiederholung würde ich die Wunderkerzen separat in einer dafür geeigneten, standsicheren Halterung positionieren und durch die Kameraperspektive mit dem Glas zusammenbringen.
Meine Einstellungen
- Brennweite: 50 mm
- Blende: f/3,5
- Verschlusszeit: 1/10 Sekunde
- ISO: 100
Im Vergleich zum Schachbild ist die Belichtungszeit wesentlich kürzer. Auch innerhalb von 1/10 Sekunde bewegen sich die Funken weit genug, um als Linien sichtbar zu werden.
Mit f/3,5 bleibt der Hintergrund weich. Wie groß die Lichtkreise erscheinen, hängt allerdings nicht allein von der Blende ab. Auch die Abstände zwischen Kamera, Glas und Lichterkette beeinflussen die Hintergrundunschärfe.
Wenn du diesen Effekt zunächst ohne Wunderkerzen ausprobieren möchtest, kannst du ein unbeleuchtetes Glas vor eine Lichterkette stellen. Verändere den Abstand zum Hintergrund und beobachte, wie sich die Lichtpunkte im Foto verändern.
3. Eine Glühbirne mit Wunderkerze scheinbar zum Leuchten bringen

Bei diesem Bild steht die Glühbirne im Mittelpunkt. Die Funken breiten sich hinter ihr aus und lassen sie wirken, als würde sie selbst strahlen. Darunter wiederholt eine Spiegelung das Motiv.
Mein Aufbau
Unter der Glühbirne lag eine Glasscheibe. Sie erzeugte die sichtbare Spiegelung der Birne und der Funken.
Die Wunderkerze war an der Kante der Glasscheibe mit Tesafilm befestigt und hinter der Glühbirne positioniert. Aus der Kameraperspektive überlagerten sich die Birne und der helle Bereich der Wunderkerze.
Damit eine Glühbirne aufrecht stehen bleibt, lässt sie sich beispielsweise mit etwas Knete stabilisieren. Die Befestigung sollte dabei möglichst unauffällig im sichtbaren Bildausschnitt sein.
Tesafilm ist keine hitzefeste Halterung, und gewöhnliches Glas kann durch starke örtliche Erwärmung beschädigt werden. Für einen erneuten Aufbau würde ich deshalb eine separate, geeignete Halterung mit Abstand zu Glas und Klebematerial verwenden.
Meine Einstellungen
- Brennweite: 50 mm
- Blende: f/11
- Verschlusszeit: 2 Sekunden
- ISO: 100
Wie beim Schachbild zeichnete die Kamera die Funken über zwei Sekunden auf. Anders als dort musste keine Lichtlinie zwischen zwei Gegenständen entstehen. Hier ging es um die Verteilung der Funken hinter einem einzelnen Hauptmotiv.
Die Position der Kamera ist dafür entscheidend: Schon eine seitliche Verschiebung verändert, wo der hellste Bereich im Verhältnis zur Glühbirne erscheint. Auch die Spiegelung verändert sich mit der Kamerahöhe und dem Blickwinkel.
Bearbeitung in Lightroom
Auch bei diesem Foto habe ich den Orange-Farbton im Lightroom-Farbmischer etwas nach links verschoben. Die Anpassung fiel geringer aus als beim Schachbild.
So konnte ich die Farbe der Funken verändern, ohne den Aufbau oder die Form der Lichtspuren nachträglich erzeugen zu müssen.
Was die drei Aufnahmen über die Verschlusszeit zeigen
Zwei der Bilder entstanden mit zwei Sekunden Belichtungszeit, das Sektglas-Foto dagegen mit 1/10 Sekunde. Trotzdem sind auf allen drei Aufnahmen Funkenspuren zu sehen.
Das liegt daran, dass sich die glühenden Teilchen schnell bewegen. Auch eine vergleichsweise kurze Belichtung kann ihren Weg bereits als Linie aufzeichnen.
Eine längere Belichtungszeit sammelt mehr Bewegung innerhalb einer Aufnahme. Wird zusätzlich die Wunderkerze selbst bewegt, entsteht eine zusammenhängende Lichtspur – wie zwischen meinen Schachfiguren.
Die passende Verschlusszeit richtet sich deshalb nach der gewünschten Wirkung. Möchtest du nur einen kurzen Moment des Funkenflugs zeigen oder eine längere Bewegung durch das Bild führen?
Mehr zu diesem Zusammenhang findest du in meinem Artikel „Verschlusszeit einfach erklärt: Bewegung einfrieren oder sichtbar machen“.
Dunkler Hintergrund oder Lichterkette?
Auch die Gestaltung des Hintergrunds verändert die Bilder deutlich.
Beim Schachbrett und bei der Glühbirne lenkt die dunkle Umgebung den Blick auf die Funken und das Hauptmotiv. Beim Sektglas ist die Lichterkette dagegen ein bewusster Teil der Gestaltung. Ihre weichen Lichtkreise stehen im Kontrast zu den feinen Funkenspuren.
Für mich zeigen die drei Motive deshalb nicht nur unterschiedliche Gegenstände, sondern auch zwei Möglichkeiten, Licht einzusetzen: als auffälliges Hauptmotiv vor Dunkelheit oder zusammen mit weiteren Lichtpunkten im Hintergrund.
Wie sich solche Lichtkreise gestalten lassen, zeige ich auch in meinem Buchherz-Tutorial mit Lichterkette und Bokeh.
Fazit: Drei unterschiedliche Bildwirkungen mit Wunderkerzen
Die Schachfiguren, das Sektglas und die Glühbirne haben als Motive wenig gemeinsam. Durch die Wunderkerzen werden daraus trotzdem drei zusammengehörige Fotoexperimente.
Beim Schachbild bestimmt die geführte Bewegung die Lichtspur. Beim Glas treffen Funken auf weiches Bokeh. Bei der Glühbirne sorgen die Position der Lichtquelle und die Spiegelung für die besondere Wirkung.
Für alle drei Aufnahmen habe ich dieselbe Kamera, ein Stativ und eine dunkle Umgebung genutzt. Die Unterschiede entstanden durch Motiv, Objektiv, Kameraeinstellungen und die Anordnung des Lichts.
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